"...und das Schönste ist, dass die Stadt nichts zu zahlen braucht!" (Stadtdirektor Heinrich Tramm im Jahre 1912) 

 

Die Chronologie eines "Behördenversagens"...

1. Teil (Von der Gründerzeit bis zum Bau der Wohnhäuser)

1867 - Die Chemie-Fabrik in der List wird ohne Betriebsbeschreibung gebaut - der erste "amtliche Fehler"

1861 gründet Eugen de Haen die Firma "E. de Haen & Comp., Fabrik pharmazeutischer und technischer Chemikalien, Laboratorium chemischer Fabrikate für die Photographie". Ein Jahr später bereits zog er mit seiner Firma von Linden in das Dorf List, wo er 1865 im Bereich des heutigen De Haen-Platzes ein 35 Morgen (ca. 9 ha) großes Grundstück (eingekreiste Fläche im Bannerbild links oben) kauft, 1867/68 dort eine Fabrik baut und zum weltweit ersten Produzenten technischer (und hochtoxischer) Flußsäure wird. Zahlreiche (Schwer-)Metallsalze und -oxide, Säuren, Laugen und Verbindungen aus radioaktiven Elementen werden von nun an in der List hergestellt; u.a. Uransalze und -oxide zum Färben von Glas und Keramik, Thorium- und Strontiumpräparate für die Gasglühlichtproduktion, Teerölprodukte, Goldschwefel, Flusssäure, Arsen und Chromsäure. 1862 trat die (preußische) hannoversche Gewerbeordnung in Kraft. Bei der Konzession für die Fabrik wurde von Amtes wegen jedoch damals schon "geschludert". Eine Betriebsbeschreibung für die Fabrik, die dem Amt hätte vorgelegt und genehmigt werden müssen, fehlt. Diese soll nun nachträglich eingeholt werden. De Haen weigert sich hartnäckig. Stattdessen liefert er der Stadt eine Preisliste seiner Produkte mit 325 Positionen, womit das Gewerbeamt nichts anfangen kann. Von "Chemikalien aller Art" bei einem stets wachsenden Absatzmarkt mit immer neuen Erfindungen ist die Rede. Es fehlte jedoch fast alles, was den Betrieb einer solchen Fabrik erforderte: Wasserleitung, Abwasserentsorgung, Gleisanschluss und die Abfuhr von Produktionsrückständen. Das "Amt" ist überfordert und unternimmt zunächst weiter nichts... 

1871 - Offizielle Beschwerden der Lister Dorfbewohner über den unerträglichen Gestank der Fabrik werden vom "Amt" zurückgewiesen

Die Mühlen der Verwaltung mahlen langsam. Unterdessen wuchs der Betrieb immer schneller, da chemische Produkte immer mehr praktische Verwendung fanden.  "Das zweite Dezennium der Fabrik war deshalb ein ununterbrochener Fortschritt, dem nur durch fortwährende Neubauten Rechnung getragen werden konnte." sagte De Haen selbst damals. Ebenso schnell wuchs aber auch der Widerstand der Lister Dorfbewohner. Die giftigen Abwässer der Firma wurden in einem offenen "Fabrikgraben" (ohne richtiges Gefälle) in Richtung Heide und Wietze geleitet. Die jungen Triebe der Obstkulturen nahmen Schaden. Der Gestank des beizenden Rauches aus den niedrigen Schornsteinen war so unerträglich, dass selbst Kaffeegäste  in der weiter entfernten Gaststätte "Lister Turm"  nicht mehr im Freien sitzen konnten. Zwei benachbarte Bauern (namens Stuke und Rust) nahmen den geplanten Bau eines großen Dampfkessels als Anlass zur Beschwerde beim "Amt" (der Antrag geht bei der Stadt am 10.7.1870 ein). In einem 21 Seiten langen Schreiben des Gemeindevorstehers Evers vom 1871 zur Konzession der Fabrik steht auf Seite 7: "Als vor mehreren Jahren der Dr. De Haen ein einziges (in Bleistift geändert in: 'winziges') chemisches Etablissement einrichtete, ahnte niemand in der Gemeinde, daß sich dieses in so kurzer Zeit zu einer Anlage erweitern werde, welche wohl geeignet ist den Wohlstand und die Behaglichkeit der Bewohner zu beeinträchtigen. [...] Es konnte niemand ahnen, welche unerhörten Belästigungen, welche erheblichen Nachteile die Anlage einer solchen Fabrik mitten in der Ortschaft herbeiführen würde." Daraufhin soll ein Gutachter bestellt werden. De Haen lehnt dies jedoch ab, da der genannte Gutachter  - ein ehemaliger Angestellter - bei der Konkurrenz in Braunschweig tätig ist und er hierin die Gefahr einer Spionage sah. Auch auf die Beschwerden der Gegner mit "feinen Geruchsnerven" (Zitat: De Haen) könne kein Gewicht gelegt werden - sie seien "kühn, unwahr, übertrieben und durch nichts bewiesen" und eine "unerklärliche und plötzliche Opposition". Das erklärt wohlgemerkt einer, dem man nachsagte, dass er beinahe unmenschliche Chlordämpfe aushalten konnte und den man nie ohne Zigarre sah...
De Haen bekommt zwar Auflagen, d.h. ein geplanter Schornstein sollte mit einer Höhe von 30-50 Meter errichtet werden, doch die Beschwerde von Stuke und Rust wird abgewiesen. De Haen entledigt sich seiner Widersacher später, in dem er die Höfe von Stuke und Rust (und später noch einige weitere) aufkauft.
Das Amt ist hinsichtlich der noch immer fehlenden Betriebsbeschreibung überfordert und gibt den "Fall" an das preußische Innenministerium in Berlin (Minister Graf Eulenburg) ab
. Dieses legitimiert zunächst die Konzession der Fabrik unter der Bedingung, dass eine Betriebsbeschreibung mit "genügender Genauigkeit" abzuliefern sei.  Am 30 Juli 1872 liefert De Haen den vom Minister geforderten Bericht ab. Doch dieser verschwindet schon bald "spurlos"...

In den 1870ern lässt sich der 1884 zum Kommerzienrat (später sogar "Geheimer Kommerzienrat") benannte Eugen de Haen von Heinrich Köhler (seinerzeit u.a. Baurat der Stadt Hannover, später Geheimer Regierungsrat, Professor und Rektor der Technischen Hochschule Hannover) eine Villa spätklassizistischen Stil damaligen am Schiffgraben 27 (bzw. 34) errichten, was den Einfluss DeHaens auf die "Größen der Stadt" der damaligen Zeit erahnen lässt. Köhler wirkte u.a. am Bau des Parisers Gare du Nords mit. Auch mit Karl Karmarsch verband ihm ein nahezu freundschaftliches Verhältnis. In den "unzähligen" Schreiben von Eugen und Wilhelm Haen mit dem Stadtdirektor Tramm, die heutzutage im Stadtarchiv Hannovers aufbewahrt sind, gibt es später (um 1920) auch ein paar "private" Zeilen zu lesen. U.a. ist dort von einem Häuserfassadenwettbewerb die Rede, in der Tramm in der Jury sitzen sollte und von diversen Reisen nach Berlin ist ebenfalls die Rede...

1882 - Verwaltungsreform und Wechsel der Zuständigkeiten - Der Bericht aus dem Jahr 1872 über die Einrichtung der Fabrikanlagen verschwindet "spurlos"

Die Gewerbebehörde wird umorganisiert. Die Behörden werden in den 1880er Jahren den preußischen Verhältnissen angepasst. Auch die Zuständigkeiten ändern sich. Das Gewerbeamt sowie das Amt Hannover suchen nun vergebens nach der 1872er-Betriebsbeschreibung über die Einrichtung der Fabrikanlagen. Auch im Archiv des Unternehmens ist keine Kopie zu finden. Der nun zuständige Regierungs- und Gewerberat Müller studiert den Vorgang "De Haen" nochmals gründlich. Er findet Ende der 1880er auch den alten Bericht wieder und kommt zu den Entschluss, dass dem Betrieb durch die fehlende Betriebsbeschreibung sämtliche Grundlage fehlt und dass in der Vergangenheit bereits falsche Entscheidungen durch das "Amt" getroffen wurden: "Ich bin der Ansicht, daß die Nachbarschaft der Fabrik trotz der Verfügung des Herrn Ministers vom 4. April 1872 und trotz der Vorschriften der Gewerbeordnung [...] 18 Jahre hindurch völlig schutzlos gewesen ist".

Eine Prüfung der Betriebsbeschreibung "auf ihre Richtigkeit und Vollständigkeit" ist von der Kommission, die die Fabrik auf Anordnung des Amtes der Stadt am 11. Februar 1873 besuchte, einfach vergessen worden!

Nach zwei Besichtigungen im Jahr 1890 aufgrund wiederholter Beschwerden stellt Müller fest, dass die Herstellung von Flusssäure und Goldschwefel illegal ist. Es erfolgen später zwei Strafbefehle in Höhe von 100 bzw. 150 Mark!

1870-1902 - Das Katz-und-Maus-Spiel De Haens mit den Behörden - De Haen handelte sogar mit hochexplosivem Sprengstoff!!!

Wie sehr Eugen De Haen stets die von der tatsächlichen Gefahr seiner Handlungen (Produktion von Flusssäure und Goldschwefel und anderen Vorkommnissen in seiner Fabrik) überforderten Beamten stets an der Nase herumführte, kann man in den Ausführungen von M. Heiner Ramstetter ("Eugen de Haën" in: Hannoversche Geschichtsblätter Neue Folge, Band 20, 1966) lesen. Das Amt genehmigte ihn sogar Terminverlängerungen für eine längst überfällige Ablieferung der eingeforderten Beschreibung der Goldschwefelanlange aufgrund einer "mehrwöchigen Badekur". Später berichtet Sohn Wilhelm in einer Niederschrift über die Lagerung von 50.000 kg Pikrinsäure - der Sprengstoff, der u.a. auch für die Halifax-Explosion 1917 verantwortlich war - als Handelsware auf dem Gelände der Chemiefabrik. Die zur Tarnung als "Granulat" deklarierten schwarzen Kisten wurden einfach (aufgrund der mangelnden Bahnanbindung) in offenen Wagen durch die Stadt gefahren. Sprengstoff, "dessen Explosion" so De Haen "eine furchtbare Zerstörung hätte anrichten können."

1884 - De Haen gründet eine Betriebskrankenkasse und wird "Kommerzienrat" (später sogar "Geheimer Kommerzienrat")

Eugen De Haens erhebliche Stiftungen für das Gemeinwohl sowie die durch sein "strahlendes" Unternehmen sprudelnde Steuerzahlungen an die Gemeinde und später an die Stadt stellen "die andere Seite" des Unternehmers (mit einer vermutlich gespaltenen Persönlichkeit) in der Öffentlichkeit dar. Sie dienen vom Ende des 19 Jahrhunderts bis weit ins 20. Jahrhundert natürlich auch dem Gemeinwohl Hannovers. Ihm wird ein Ehrentitel verliehen, der nur an wenigen Persönlichkeiten der Wirtschaft im Deutschen Reich verliehen wird: Eugen De Haen wird zum "Kommerzienrat" benannt. 1903 wird er sogar durch sein freundschaftliches Verhältnis zu Karmarsch "Ehrendoktor der Technischen Hochschule Hannover" und "Geheimer Kommerzienrat". Bei Wikipedia reiht er sich heutzutage in die Reihe von Namen wie Merck, Levercus, Vögle und Talbot ein. Zum 25jährigen Bestehen der Firma arbeiten bereits 170 Menschen für De Haen. Von der Bismarckschen Sozialgesetzgebung beeinflusst und ernsthaft um das Wohl seiner Mitarbeiter besorgt, hebt de Haen am 25.Oktober 1884 als einer der ersten überhaupt(!) eine firmeneigene Betriebskrankenkasse aus der Taufe und stellt so zumindest die Absicherung seiner Beschäftigten sicher.

1891 - Die königliche Staatanwaltschaft verurteilt De Haen wegen des Verstoßes gegen die Gewerbeordnung wegen illegaler Produktion von Flusssäure

1892 - Die illegale Einleitung von giftigen Abwässern wird der Stadt mitgeteilt

Ungeachtet der strafrechtlichen Verurteilungen handelt De Haen weiter gegen Recht und Ordnung. Die Lister Bürger klagen erneut bei der Stadt über die Verunreinigungen, die De Haen widerrechtlich vornimmt. In einem Brief an Herrn Stadtbauführer Bähre "zur schleunigen Untersuchung und Berichterstattung"  vom 3.11.1891 ist folgender Wortlaut zu lesen: "Der hier erschienene Bezirksvorsteher Herr Gieseke aus List trug vor: Der Fabrikbesitzer de Haen in List lässt aus seiner Fabrik gelb gefärbte schmutzige und warme Abwässer in großer Menge in den der Fabrik anliegenden Flussgraben ablaufen. [...] Im Graben hat sich schon eine starke Schicht gelben übel riechenden Schlammes abgelagert. Der Herr de Haen ist zu der vorgenannten Handlung nicht berechtigt. Der Graben soll nur das Tageswasser der anliegenden Grundstücke aufnehmen und abführen. Ich bitte, die Sache untersuchen und einschreiten zu wollen."

De Haen redet sich natürlich wieder raus. Er behauptet, der Schlamm käme aus einem Bohrloch, dass er gebohrt hat, "um die Frage zu entscheiden, ob in größerer Tiefe reines Wasser zu gewinnen sei". Eine Lüge, wie sich ein Jahr später herauskristallisiert. Das städtische chemische Untersuchungsamt, das nun Untersuchungen anstellt, gibt bekannt: "Aufgrund des […] Analysebefundes wird begutachtet, dass der fragliche Schlamm tatsächlich Fabrikabwässern seine Entstehung verdankt und infolge seiner Zusammensetzung geeignet ist das Wasser des zu entwässernden Grabens zu allen Haushaltungs- und Nutzungsrechten unbrauchbar zu machen. Unterschrift Dr. Schneider..." Die Analyse der der übersandten Schlammprobe (I.N 19636) ergab u.a. "viel Salzsäure, Schwefelsäure, Ammoniak, auch geringe Mengen Salpetersäure".

Nach der Untersuchung des städtischen chemischen Untersuchungsamtes am 29.08.1892 berichtet das Stadtbauamt Abteilung II : "Nach unserer Ansicht sind Handlungen der vorliegenden Art [gemeint sind die Einleitungen der Abwässer in die offenen Gräben] gemeingefährlich und dürfen deshalb nicht geduldet werden. Den Magistrat bitten wir, das Erforderliche veranlassen zu wollen."

1895 - Die (radioaktive) Thoriumproduktion beginnt

Bereits Anfang der 1890er berichtet De Haens Sohn Wilhelm der in Heidelberg 1987 als Chemiker promovierte und nun seinen Vater mit Rat und Tat unterstützt, über ein bedeutungsvolles Produkt, dass mit der Erfindung des Gasglühlichtes verknüpft ist. Man nannte es Glühlichtstrumpf oder (aufgrund seines Erfinders) "Auer-Licht". Hierbei wird ein baumwollenes grobmaschiges Gewebe mit salpetersauren Thorium und 1% Cerium getränkt.

DeHaen sichert sich daraufhin den größten Teil des damals einzigen Rohmaterials für diese Präparate, das Mineral "Thorit", das bislang nur in Norwegen gefunden wurde. Somit wurde seine Fabrik 1895 die erste, die für die damals revolutionäre Produktion der Glühstrümpfe Thoriumnitrat erzeugte, dass bekanntermaßen radioaktiv ist. In Spitzenzeiten wurden in der List 3000 kg Thorit pro Monat(!) verarbeitet.

1891-1900 - Eingemeindung der List zu Hannover - die "Ära Tramm" und die „Güterumbehungsbahn“

In der Ära des hannoverschen Stadtdirektors Heinrich Tramm werden 1891 die Vororte Herrenhausen, Hainholz, Vahrenwald und List eingemeindet. Standortvorteile wie ermäßigte Steuern fielen von nun an weg. Ferdinand Wallbrecht ist in den 1890er Jahren vor allem an Tramms Bauvorhaben beteiligt, darunter an der Kanalisation und dem Neubau des Lister Turms. Planungen für den Ausbau des Bödekerstraßen-Viertels (Oststadt) sowie rund um den Lister Platz, wo Wohnraum für "gehobene Ansprüche" entstehen sollte, werden ebenfalls bereits bis 1995 verwirklicht. De Haen wird klar, dass eine notwendige Expansion für sein immer rascher wachsendes Unternehmen in der List bald umgeben von hohen Wohnhäusern und ohne ausreichende Wasserversorgung und Güterbahnanschluss unmöglich erscheint. Gleichzeitig lässt Stadtdirektor Tramm eine neue Eisenbahnstrecke - die Güterumgehungsbahn Hannover - bauen, die durch das 15 Kilometer entfernte Städtchen Seelze führen soll. Seelze liegt zudem an der Kreuzung zwischen Leine und dem Mittellandkanal, dessen Pläne ebenfalls bereits geschmiedet wurden. Die seit 1909 fertiggestellte Güterumgehungsbahn verläuft vom Rangierbahnhof Seelze über Linden und Waldhausen und trifft südlich von Misburg wieder auf die alte Trasse der Verbindung Hannover – LehrteWelch eine Gelegenheit für DeHaens Expansionspläne...und für die Bauvorhaben der Stadt!

1902 - "Umzug" der Fabrik nach Seelze ohne jegliche Entsorgung - die Giftmüllhalde "Gipsberg" und andere "Haufen" verbleiben in der List

Die 1901 angegebenen Produktionsmengen liegen inzwischen für Thoriumprodukte bei 20 bis 36 Tonnen pro Jahr, für Strontiumprodukte (Verwendung als Leuchtstoff) bei ca. 33 T/Jahr sowie für Uranoxide bei 2 T/Jahr. Die Herstellung von Arsen- und Chromsäure wird zudem im Freien ausgeführt.
Mit Unterstützung seines inzwischen zum Dr. der Chemie promovierten Sohnes Wilhelm und aufgrund der günstigen Bodenpreise und guten Verkehrsanbindung im Dorf Seelze verlagert De Haen die Produktion auf ein 4 mal so großes Gelände nach Seelze. Von einer "ordnungsgemäßen Entsorgung" seiner Produktionsrückstände in der List kann jedoch keine Rede sein - weder sofort noch in der Zukunft. Es entsteht neben den verwahrlosten Ruinen der Fabrikgebäuden ein bis zu 7 Meter hoher und 40 Meter breiter Giftberg - der so genannte "Gipsberg" - auf dem eine ungeordnete Aufhaldung giftiger Produktionsabfälle ohne Schutzvorkehrungen für Boden und Wasser entsteht und dort in seiner Form mit Kenntnisnahme der Behörden der Stadt mehr als ein viertel Jahrhundert bleiben sollte. Im Bericht zur "vertieften historischen Recherche" von 2008 der Firma Alstlasten+Planung ist weiterhin von "mehreren Haufen" von Produktionsrückständen die Rede, die auf einer historischen Karte von 1889 zu sehen sind. In einem späteren Schreiben im Juni 1909 an die Stadt erwähnt Wilhelm De Haen: "Der Neubau der Fabrik in Seelze war mit sehr hohen Kosten verbunden. Da eine Unterbrechung in dem Betrieb unter allen Umständen vermieden werden musste, war eine Verwendung von altem Material fast ganz ausgeschlossen."

1904 - Das alte Gelände soll "vermarktet" werden - doch die Stadt hat andere Pläne...

De Haen möchte sein altes Fabrikgelände zunächst an den Militärfiskus verkaufen. Das hässliche Fabrikgrundstück sollte sich in eine schöne Wohngegend für ein "gehobenes Publikum" verwandeln. Die Stadt hatte jedoch andere Pläne mit dem Gelände vor. Als offiziellen Grund für die behördliche Ablehnung der Pläne De Haens nannte die Stadt: Der Anschluss an das hannoversche Kanalnetz sei aufgrund der zu tiefen Lage des Geländes und nicht möglich. Außerdem sei der Kanal schon jetzt überlastet und für die geplanten vierstöckigen Mietshäuser nicht ausgerichtet. Die Stadt wuchs indes rasant. Nach der größten Eingemeindungswelle Hannovers Ende 1907 stieß Hannover an die Grenzen seines Wachstums. Am liebsten möchte die Stadt das Gelände für Ihre Zwecke "einkassieren", bedarf es doch für eine Bebauung erst einer "Erhöhung" des Geländes. Schriftdokumenten in den Bauakten zufolge lag das Firmengelände um 1900 tiefer als die Podbielskistraße. Anhand der Höhenlinien auf historischen Karten ist zu sehen, dass das Gelände heute gut einen halben Meter höher liegt als damals. Was ist da wohl passiert?

1909 - Das alte Fabrikgelände geht an den Sohn Wilhelm De Haen über

Eugen De Haen beklagt sich bei der Stadt. Sein Bebauungsplan liegt 1908 schon 4 Jahre lang auf Eis. Der Neubau der Fabrik in Seelze sei mit "sehr bedeutenden Kosten verbunden" gewesen. Es wird von 4 Millionen Mark gesprochen - zur damaligen Zeit eine beträchtliche Summe. Die Verwendung von altem Material war "fast ganz ausgeschlossen" und alle Maschinen und Einrichtungen mussten neu beschafft werden. Auch erwähnt er in seinem Brief, dass die Verlegung der Fabrik allseitig mit großer Freude begrüßt wurde, "wurde doch hierdurch erst die Möglichkeit geboten eine Bebauung der umliegenden Straßen [...] mit besseren Wohnhäusern in Aussicht zu nehmen. Der Charakter der Stadt wäre zweifellos ein ganz anderer geworden, wenn die Fabrik an ihrem Platze geblieben wäre". Weiter beklagt er sich bei der Stadt, weil diese offensichtlich am Erlös des Verkaufs teilhaben will: "Ein Eigentümer, der 30 Jahre auf seinem Grundstück betreibt und sein Werk dann, weil die Städtische Bebauung ihn gewissermaßen verdrängt, verlegt, ist doch wahrlich kein Grundstückspekulant..."

Bislang ist nur ein Bruchteil seines Grundstückes verkauft. Nur die benachbarte Kavellerie-Schule bringt ihm noch Mieteinahmen für die Lagerschuppen.
Er wird langsam mürbe. Nachdem auch seine Frau Mathilde im Jahr 1909 stirbt, überträgt er am 15.03.1909 im Wege der vorweggenommenen Erbfolge sein Eigentum an den ehemaligen Betriebsgrundstücken auf seinen Sohn Dr. Wilhelm De Haen, der sich fortan kümmert.

Am 16.11.1911 verstirb Eugen De Haen im Alter von 75 Jahren - ein fast schon biblisches Alter für einen starken Raucher, den man nie ohne Zigarre sah und dem man nachsagte, dass er beinahe unmenschliche Chlordämpfe aushalten konnte. "Auch üble Gase in den seinerzeit noch schlecht ventilierten Räumen, die jeden zum husten reizten, berührten ihn absolut nicht" (M. Heiner Ramstetter - "Eugen de Haën" in: HannoverscheGeschichtsblätter Neue Folge, Band 20, 1966, S.115)

Ein Nachruf in der Hannoverschen Zeitung schloss mit den Worten: "...er hat gleichzeitig das Ansehen der hannoverschen Industrie um ein bedeutendes vermehrt."

(Randnotiz: Wilhelm De Haen kaufte in der Zeit im Auftrag seines Vaters u.a. auch das Rittergut Gut Oberrode bei Bad Hersfeld für seinen Sohn Rudolf, der dann später auch Besitzer wurde. Dessen Frau Emmy und deren ältester Sohn Jan Derk wiederum verkauften das Gut 1928 wieder. Doch eine Frau namens Ingeborg Rüedi de Haën hinterlässt noch nach 2003 dem Verfasser der Webseite des Geschichtsvereins in Bad Hersfeld (Peter Braun) einige Bilder aus der damaligen Zeit.)

1912 - Der "Knebelvertrag" der Stadt mit Wilhelm De Haen vom 9. Februar 1912 und das Zitat von Stadtdirektor Heinrich Tramm

Um die Stadt für den Verkauf gesprächsbereit zu machen, lockt Sohn Wilhelm fortan mit finanziellen Angeboten. De Haen will sich an den Straßenbaukosten beteiligen und einen Schmuckplatz mit Brunnen stiften. Die Stadtväter wittern ein einmaliges Geschäft: De Haen soll stattdessen alle Kosten übernehmen, zusätzlich auf eigene Kosten ein Rohrsystem bis in die Feldmark legen und dort eine Kläranlage errichten. Das Preußische "Fluchtliniengesetz" (= Stadtplanungsgesetz) von 1875 ließ dies grundsätzlich zu. Außerdem soll DeHaen sämtliche Straßenbaukosten übernehmen und das Gelände der Straßen sowie den Schmuckplatz unentgeltlich und lastenfrei an die Stadt abtreten. Wie sehr dem Wilhelm, der (u.a. als Prokurist) noch mehr als sein Vater ein Gespür für das Finanzielle hatte, daran gelegen ist, das Gelände loszuwerden, zeigt seine Einwilligung in diesem äußerst einseitigen Kontrakt.

Nachdem De Haen auch hier einlenkt, wird der Stadtdirektor Heinrich Tramm in einer Sitzung der städtischen Kollegien vom 22.8.1912 nach dem Vertragsabschluss mit folgenden Worten zitiert: "und das schönste ist, dass die Stadt für dessen Ausführungen nichts zu zahlen braucht, da die Kosten von De Haen zu tragen seien." Ein Zitat, dass 100 Jahre später für die heutigen Neubewohner in der List wie Hohn und Spott klingen muss, wenn sich die Stadt erneut bei der Sanierung der einst von Ihr aufgeschlossenen Flächen aus ihrer Verantwortung stielt. 
In dem am 1. Februar 1912 zwischen der Stadt und Wilhelm De Haen geht es zunächst um einen Aufschließungsvertrag zur Bebauung und Errichtung einer provisorische Hauswasserkanalisation und der Entwässerung des DeHaen`schen Geländes ("Alle Kosten trägt De Haen") . Der eine Woche später am 9. Februar 1912 geschlossene Vertrag wird sich noch 50 Jahre später als "Knebelvertrag" für DeHaens Erben herausstellen. Wesentliche Punkte:

  • Aufschließung des ehem. Fabrikgeländes als Bauland (inkl. Bebauungspläne) (§1)
  • "Der Zeitpunkt des Anlegen der Straßen, welche sämtlich auf Kosten des Herrn De Haen von der Stadtverwaltung herzustellen sind, bleibt De Haen überlassen,[...]" (§3)
  • "Das gesamte Terrain der Straßen und der Plätze ist [...] unentgeltlich, hypotheken- und lastenfrei an die Stadtgemeinde abzutreten und aufzulassen." (§4)
  • Bau eines Schmuck- und Spielplatzes ("auf Kosten des Herrn Dr. De Haens") (§5)
  • Kosten für die Reinigung, Beleuchtung und Besprengung der Straßen (5 Jahre im voraus) trägt De Haen (§6)

Folgende (nicht vollständige!) Kostenübersicht zeigt, wie sehr die Stadt allein aus diesem "Knebelvertrag" mit De Haen in den Folgejahren Nutzen ziehen konnte (1 Goldmark um 1910 entspricht ca. 5 Euro):

  • Überwiesene Summe von DeHaen an die Stadt für den Bau der Kanalisation (im September 1912): 76.602,67 M
  • Straßenerstellungskosten (Februar 1914): 118.225,50 M
  •  Schmuck- und Spielplatz (1930) insgesamt: 60.000 M
  •  Überwiesene Straßenbaukosten Hertzstraße/Frauenhoferstr. (Januar 1930): 95.876,04 M

Noch bis ins Jahr 1962 werden die Hinterbliebenen von Wilhelm De Haen zur Kostenführerschaft aufgrund dieses Vertrages belangt!

Interessant zu erwähnen ist auch §6 C aus dem Vertrag: "Soweit Grund und Boden zu den aufzulegenden Straßen nicht von Herrn De Haen selbst hergegeben wird, hat er die Kosten für die Erwerbung und Freilegung [...] in Bar zu zahlen, oder, [...] in entsprechender Weise sicherzustellen." Doch De Haen hat ja noch hinreichend "Material"...

Noch präziser wird in §5 sogar von Verwendung von "Altmaterial" gesprochen. Die Stadt "verpflichtet" De Haen sozusagen dazu, seinen Giftmüll als Straßenmaterial zu verwenden:

1911 sind die ersten Planungen zur Umnutzung der verwahrlosten Industriebrache (Fluchtlinienplan Nr. 398 vom 26.06.1911) in den Magistratsprotokollen dokumentiert, Überarbeitungen 1915 (Nr. 451) und 1930 (Nr. 626). Am 30. November 1912 wurden in der Sitzung der Städtischen Kollegien der Bebauungsplan für das Gelände der ehemalischen Chemiefabrik beschlossen. Im Mai 1914 geht zunächst der "De Haen-Platz" in das Eigentum der Stadt über...

1913 - Anlieger beschweren sich aufgrund der fehlenden Entsorgung durch die Stadt - die Gifthalden liegen seit über 10 Jahren unberührt auf dem Gelände

De Haen hat fortan große Probleme den Grund und Boden seiner Fabrik loszuwerden. Mehrere Podbielskistraßenanwohner beschweren sich zudem laufend bei der preußischen Polizei - der ja bekanntlich große Strenge nachgesagt wurde - über die zunehmende Verwahrlosung des Fabrikgeländes. Am 21.7.1913 macht sich das "Hannoversche Tagesblatt" die Haen`sche Industriebrache zum Thema: "Eine verwahrloste Stätte [...]. Zu hohen Bergen liegen die Rückstände der chemischen Erzeugnisse aufgetürmt. Bei sonnigem Wetter entströmen diesen Schutthalden üble Gerüche." Die Reaktion der Stadt darauf ist lediglich ein "zahmes" Schreiben der Stadt an De Haen, den Giftberg doch bitte zu beseitigen. Doch dieser erwidert, dass die "mit der Zeit zu einer felsartigen Masse" verhärteten Rückstände nur "durch Sprengung" gelockert werden könnten und die Beseitigung mit "recht großen Schwierigkeiten" verbunden seien. Dass Gerüche ausströmten sei zudem "absolut ausgeschlossen". Dass letzteres eine glatte Lüge ist, weiß jeder Anlieger in der Nachbarschaft. Doch die Stadt nimmt dies einfach zur Kenntnis, prüft nicht einmal den Sachverhalt und unternimmt entsprechend auch nichts weiter, so dass die giftigen Halden dort zunächst noch mindestens weitere 15 Jahre bleiben können.

In einer Akte im Stadtarchiv gibt es ein Schreiben mit einem Hinweisgeber (nach dem HAZ-Artikel vom 14.01.1986 männlich), der bezeugt, dass 1913 die Fabrikhallen zum Teil schon eingestürzt waren und dass sich zwischen den Ruinen große Drecksberge befanden. Ein Abtransport oder eine Verteilung wurde nie beobachtet, obwohl sein Arbeitsplatz einen direkten Blick auf das Gelände zuließ. Er nahm an, dass die Rückstände später auf dem Gelände nur planiert wurden. Trotz aller Proteste in dieser Zeit: Es passierte rein gar nichts. De Haen, der in der Realgemeinde durch den Erwerb weiterer umliegender Grundstücke inzwischen über 4 Stimmen verfügte, verhinderte gemeinsam mit Heinrich Trage (Vorsteher der Realgemeinde List), dass das Thema "ehemalige Fabrik an der Fabrikstraße" überhaupt auf die Tagesordnung kam. Die direkten Nachbarn am Fabrikgelände wurden von De Haen zuvor einfach aufgekauft. Der giftige "Gipsberg" blieb. Sogar Kinder spielten - trotz Warnungen - noch Jahrzehnte lang mit den "farbig glitzernden" aber hochgiftigen Klumpen - und die Stadt verschloss dabei die Augen... 

1916 - Ein Teil des Grabensystems wird nun widerrechtlich mit Fabrikabfällen aufgefüllt.

In einem Schreiben der Branddirektion an den Magistrat der Stadt vom 21.November 1916 wird erwähnt, dass ein Teil des Grabensystems von der Waldstraße zur heutigen Frauenhoferstraße mit Fabrikabfällen und Bauschutt widerrechtlich verfüllt wurde. Wortwörtlich heißt es: "Der betr. Graben wird, entgegen den Bestimmungen der neben genannten Verfügung, wahrscheinlich im Auftrage des Vorstehers der Realgemeinde List,  Heinrich Trage, Bunsenstr. 13, mit Fabrikabfällen, Bauschutt und dergl. angefüllt." 4 Jahre nach der Ratifizierung des Bebauungsplans der Stadt zur Umwandlung der giftigen Industriebrache in eine sensible Wohngegend finden nun nachweislich die ersten Bodenbewegungen statt.

1925 - Karl Elkart und der "Flächenverteilungsplan zur Generalbebauung" - Die Stadt veranlasst Wohnhäuser auf dem Gelände der ehemaligen Chemiefabrik bauen

Die "goldenen 20er" beginnen. Dennoch bleibt in den ersten Jahren nach dem 1. Weltkrieg der Posten des Stadtbaurates in Hannover unbesetzt. Die Wohnungsnot erreicht Anfang der 20er Jahre dramatische Ausmaße. Erst als Karl Elkart (bis dahin Stadtbaudirektor für Groß-Berlin) als Stadtbaurat und Senator nach Hannover berufen wird, werden schließlich auf dem ehemaligen Fabrikgelände seitens der Stadt Hannover Genehmigungen zum Bau der Häuser erteilt. Zur Ordnung der absehbaren Stadterweiterung erstellt Elkart 1925/1926 großzügiges, auf zwanzig Jahre angelegtes städtisches Bau- und Entwicklungsprogramm sowie einen Generalbebauungsplan. Hannover entfaltete schließlich Ende der 20er Jahre mit Düsseldorf zusammen die stärkste Wohnungsbautätigkeit unter allen deutschen Städten .Elkarts gutes Verhältnis zu Albert Speer führte ihn später (1943) in den Arbeitsstab von Albert Speer, wo er u.a. an der Deportation polnischer Juden beteiligt wird. Durch die "monumental-axiale" und bis ins Detail ausgearbeitete Planung Elkarts, wird Hannover im Dritten Reich in den Kreis der neuzugestaltenden Städte (Gesetz von 1937) aufgenommen.

In dem Flächenverteilungsplan zur Generalbebauung der Abteilung II ("Stadterweiterungsamt") der Stadtbauverwaltung sieht man, dass das Gelände der ehemaligen Chemiefabrik damals zu den für die Neubebauung bedeutendsten Kategorien "Durch Anschluss an die vorhandene Kanalisation für die Bebauung leicht zu erschließendes Gelände" bzw. "Durch neue Kanalisationsanlagen zu erschließendes Gelände (Programm für 20 Jahre)" gehörte:

Nicht nur die Bebauungsplanung selbst, sogar die Einflussnahme der städtischen Bauverwaltung auf die Baumassen, deren Gliederung und die Auswahl des Materials wird in den Geschichtsbüchern der Stadt erwähnt. Auf Anweisung des Stadtbaurats und Architekten Karl Elkart beginnt 1927 auch die Bebauung rund um den DeHaen-Platz u.a. durch den Beamten-Wohnungs-Verein (Vorläufer der Wohnungsgenossenschaft Heimkehr eG).

Die durch die Stadt entstandenen Wohnsiedlungen der 20er bzw. 30er Jahre am DeHaen-Platz bieten dem Betrachter „dank“ der Vorgaben der Bauverwaltung noch heute ein sehr geschlossenes und einheitliches Bild. 1930 schließlich schaffen die Architektenbrüder Siebrecht, die schon zwischen Lister Platz, Lister Straße und Podbi bis 1911 die Hauptverwaltung der "Hannoverschen Cakesfabrik H. Bahlsen" sowie das Produktionsgebäude konstruierten, den De-Haen-Platz.

1927-1929 - Die Wohnhäuser der heutigen Hertzstraße, Frauenhoferstraße und Liebigstraße werden durch den Flächenverteilungsplan der Stadt errichtet - gleichzeitig wird der Gipsberg "abgetragen".

Die Tatsache, dass nun der bislang über 25 Jahre schutzlos der Bevölkerung ausgesetzte, giftige "Gipsberg" ab 1928 (ausgerechnet während der Wohnbebauung) "abgetragen" wird, spricht für eine weitere (mittelbare) Beteiligung der Stadt an der heutigen Situation. Hinweise von Zeitzeugen vermuten, dass der "Gipsberg" nur "teilweise" zur nahe gelegenen Deponie "Dreckberg" in der ehemaligen Bothfelder Straße (heute: Am Listholze), die seit 1907 von der Stadt betrieben worden war, gebracht wurde. Die Stadt wusste nicht nur über die Giftmüllhalden bescheid. Sie hat auch deren "Verteilung" zugelassen. Die Hinweise deuten nämlich auch auf die Verwendung des Materials als Straßenbau hin, was spätestens 1975 plausibel wird. Zudem hat die Stadt im Aufschließungsvertrag von 1912 die Zulässigkeit der Verwendung von Altmaterial deutlich gemacht (s.o.). Die Billigung der der Auffüllung der Hinterhöfe durch durch die Stadt kann also keinesfalls ausgeschlossen werden. Im Gegenteil: Wie kann es denn damals zur Erhöhung des Niveaus (Höhenlinien auf historischen Karten, siehe Gutachten von 2003) gekommen sein? Die Größe des "Gipsberges" wird immerhin mit einer horizontalen Ausdehnung von 40x40 Metern und einer Höhe von bis zu 6 Metern angegeben. Das Grundstück, auf dem sich "Kakolorium" und "Dreckberg" befanden, befand sich (lt. Grundbuch Klein-Buchholz Bd. 4, Anl. 10.1) bis in die späten 20er Jahre ebenfalls im Besitz DeHaen`s! Es wurde erst dann an die Stadt verkauft!!!

1932 - Wilhelm De Haens Anwalt versucht eine Befreiung eines Teils der Straßenbaukosten zu erwirken

Der Vertrag von 1912 wirkt auf De Haen zunehmend lästig. Noch am 30. Januar 1930 erhält De Haen von der Stadt die Aufforderung weitere 95.876,04 M (Umrechnungsfaktor für 1930: 1 M = ca. 3-4 €) bei der Stadtkämmerei einzuzahlen. Am 28. April 1932 schreibt sein Rechtsanwalt Bodemann an die Stadt, dass insbesondere die Liebigstraße als "historische" Straße anzusehen sei und dass aufgrund des Baufluchtliniengesetzes vom 2.8.1875 und des Eingemeindungsvertrages zwischen dem Magistrat und der früheren Gemeinde List vom 19.11.1890 eine Verpflichtung der Straßenanlieger zur Errichtung von Straßenkosten nicht bestehe.

1935 - Der De Haen-Platz ist im Wesentlichen in seiner heutigen Form angelegt. Die Umgebung ist überwiegend bebaut...

Am 1. Februar 1937 schreibt Dr. Hans De Haen (Sohn des Wilhelm) einen Brief an das Straßenbauamt mit der Bitte um die Auflistung der Verpflichtungen aus dem Straßenkosten und Kanalbaukosten

2. Teil (vom 2. Weltkrieg bis in die Gegenwart)